Wer heute Ingenieur wird, hat viele Optionen. Mit 30 Jahren ist er Senior-Projektleiter bei der APOprojekt GmbH. Im Interview erklärt er, warum er sich für dieses Berufsfeld entschieden hat und was ihn an seiner Arbeit begeistert.

„Meine Arbeit ist irrsinnig facettenreich“

Bauingenieur Florian Schilcher



Florian Schilcher arbeitet als Senior Projektmanager für das Unternehmen APOprojekt aus Düsseldorf. Fotos: APOprojekt
Dieser Artikel wurde im Exkurs 5/2018, 05. November 2018, veröffentlicht.


Wer heute Ingenieur wird, hat viele Optionen. In nahezu allen Bereichen wird aktuell händeringend auch nach akademischem Nachwuchs gesucht. Florian Schilcher hat sich bewusst für die Baubranche entschieden. Mit 30 Jahren ist er Senior-Projektleiter bei der APOprojekt GmbH. Im Interview erklärt er, warum er sich für dieses Berufsfeld entschieden hat und was ihn an seiner Arbeit begeistert.

Wann und warum haben Sie sich für die Baubranche entschieden?

Schilcher: Ein großer Teil meiner Familie war immer schon irgendwo in der Baubranche unterwegs. Mir wurde das sozusagen in die Wiege gelegt. Als Kind durfte ich dann auch sehr früh mit echten Bohrmaschinen oder Betonmischern "spielen" und hatte in meinem Stiefvater oder auch meinen Onkeln gute Lehrmeister. Ich habe dann auch eine techniklastige Oberstufe gewählt, in Österreich gibt es entsprechende Angebote, wo man sich schon zu Schulzeiten in Richtung Bau orientieren kann. Nach meinem Bachelor in Bauwirtschaft und Bauplanung habe ich mich im Master auf das Baumanagement spezialisiert. Der Job bei APOprojekt in Düsseldorf ist meine zweite Berufsstation. Ich bin jetzt 30 Jahre alt und seit dreieinhalb Jahren hier. Eingestiegen bin ich als Projektmanager. Seit Juni 2016 bin ich Senior-Projektleiter.

Warum ausgerechnet APOprojekt?

Schilcher: Meine ersten Gedanken über den Innenausbau von Gewerbeflächen waren, dass es sich hierbei nicht um die hohe Baukunst handelt. Sicherlich fallen Themen wie Statik oder Fassadengestaltung weitgehend oder ganz raus. Aber der Ausbau und die teils sehr kurzen Bauphasen haben irrsinnig viele Facetten, die mich fordern und Spaß machen. Wer sind die richtigen Partner für den Bau? Müssen es immer dieselben sein? Wie koordiniere ich sie? Wie kriege ich die technisch-architektonische Komponente konfliktfrei geregelt bis hin zum Smart Office mit Sensorik und Wohlfühlambiente? Dazu kommen ganz profane Fragestellungen: Wie komme ich mit Material und Menschen in eine Fläche, ohne die anderen Mieter im Gebäude zu sehr zu stören?"


Wie hat sich Ihr Aufgabenfeld bei APOprojekt seit dem Berufseinstieg entwickelt?

Schilcher: Mein erstes Projekt war eine Anwaltskanzlei in Köln. Das Projektvolumen lag bei 150 000 Euro. Das ist bei uns im Vergleich ein kleineres Projekt, und der Ausbau dauert da auch nicht länger als einen oder zwei Monate. Danach habe ich mehrere Projekte parallel verantwortet. Mein erstes großes Vorhaben habe ich nach etwa sieben Monaten bekommen. Die Fläche liegt in Ratingen, das Bauvolumen lag bei knapp 4 Mio. Euro.

Wie würden Sie Ihr Arbeitsumfeld und das Zusammenspiel mit den Kollegen beschreiben?

Schilcher: Meine ersten beruflichen Erfahrungen waren oftmals davon geprägt, dass viele versuchen, eventuelle Fehler oder Probleme weitestgehend zu vertuschen. Das hat die Sache in der Regel nur schlimmer gemacht. Hier bei APOprojekt läuft nahezu alles offen und direkt. Wenn jemand ein Problem hat, spricht er es an. Und die anderen sagen: Wie können wir das gemeinsam lösen? Ein kollegiales Umfeld ist ein Wert, den man nicht genug schätzen kann.

Auch die Personalgespräche sind sehr offen. Natürlich wird über Leistung gesprochen, aber die Vorgesetzten diskutieren mit einem, sie diktieren nicht. Ich möchte ansprechen können, was mich bewegt. Ich bin selbstbewusst und möchte aufsteigen. Ich wollte Großprojekte leiten, die technisch komplex sind, und ich durfte das. Die Offenheit zieht sich bis ganz nach oben durch.

Ein Beispiel: Unsere Geschäftsführer sitzen in Hamburg, haben sich aber die Zeit genommen, uns in Düsseldorf persönlich die Hintergründe und Ideen zur neuen Struktur zu vermitteln. Ab einer gewissen Größe kann ein einziger Niederlassungsleiter nicht mehr alles überblicken, da muss man dann auf weitere Managementebenen vertrauen. Das ist ja eigentlich klar. Aber trotzdem wird das nicht einfach beschlossen und übergestülpt, sondern erstmal besprochen.

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Gehalt?

Schilcher: Das Gehalt ist mir wichtig. Aber es ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Wir profitieren auch an vielen anderen Stellen. Z. B. sitzen wir in tollen modernen Büroflächen und sind auch technisch top ausgestattet. Und wenn du einen Dienstwagen möchtest, kannst du das jederzeit ansprechen. Aber auch solche Sachen sind für mich immer noch zweitrangig. Es kommt in erster Linie auf das kollegiale Miteinander an.

Ebenfalls wichtig ist, dass die Führungsebenen bei der Mitarbeiterpflege nicht auf den letzten Cent gucken. Unternehmenssport ist hier ein wichtiges Element. Wir fahren gemeinsam Ski, vier Tage in meiner alten Heimat in Österreich, und wir müssen nur einen Bruchteil der Kosten selbst tragen. Zwischen 40 und 60 Kollegen aus allen Niederlassungen kommen da regelmäßig zusammen. Wir haben zudem Sommerfeste und darüber hinaus veranstaltet jede Niederlassung einmal jährlich einen Teamevent.

Welche Perspektiven und Aufstiegschancen bietet der Bau?

Schilcher: Ich kann mit der Brille von APOprojekt sagen: Wenn jemand engagiert ist und Hausverstand mitbringt, dann ist ein Aufstieg in relativ kurzer Zeit absolut möglich. Vorausgesetzt sind natürlich entsprechende Grundkenntnisse. Ich hatte dann noch das Glück, dass ich einige interessante und herausfordernde Projekte begleiten durfte. Man muss es nur selbst auch wollen. Ich weiß nicht, wie das bei den großen Konzernen aussieht. Je nach Unternehmensstruktur ist dies vermutlich auch anders. Aber ich denke, dass es gerade bei kleinen und mittelgroßen Firmen oft ähnliche Chancen gibt wie bei uns.

Wie beurteilen Sie die Arbeitsbelastung?

Schilcher: Natürlich arbeiten hier alle mehr als 40 Std. Ich denke, das ist im Mittelstand aber fast immer so. Auf der anderen Seite sind die Vorgesetzten sehr offen für flexible Arbeitszeiten oder wenn man mal später kommt, vielleicht weil das Kind erst später in die Schule musste. Wir haben außerdem die Möglichkeit, die Grundarbeitszeit zu verkürzen oder Elternzeit zu nehmen. Auch Sabbaticals sind bei uns kein Fremdwort. Wenn es der Aufgabenbereich zulässt ist Home-Office ebenfalls kein Problem, wir sind ja räumlich flexibel mit Clouds und Co.. Aber man soll es natürlich nicht übertreiben und mehr zuhause sein als im Büro, weil sonst kein Teamgedanke aufkommt. Aber unser Büro liegt ohnehin zentral und ist gut angebunden. Mein Fazit: Die Work-Life-Balance ist sehr gut, kann aber natürlich immer noch besser sein. Aber ich kenne genug andere Beispiele, die mir zeigen, dass man hier nur auf sehr hohem Niveau jammern kann."

Wie aufgeschlossen ist die Branche mittlerweile gegenüber der Digitalisierung?

Schilcher: Wir haben heute auf dem Bau unser Surface dabei. Der komplette Plansatz, sämtliche Vertragsdetails etc. - du hast alles auf einem millimeterdünnen Display dabei, was du früher in drei Aktenordnern mit auf die Baustelle geschleppt oder dich geärgert hast, weil der vierte Ordner im Büro der wichtigere gewesen wäre. Als Bauleiter nutzen wir außerdem Baukoordinationstools für die Mängelaufnahme und die Kommunikation mit unseren Nachunternehmern. In den vorgelagerten Stufen halte ich vor allem BIM für einen Hoffnungsträger. Bei der Lüftungsplanung zum Beispiel ist BIM ja fast schon Standard, und wir werden eine ähnliche Durchdringung hoffentlich bald in allen Planerdisziplinen und auch bei den Bauherren sehen. Die Prozesse und die Kommunikation werden schlanker. Zum einen, weil man über BIM gezwungen ist, früher ins Detail zu gehen. Zum anderen, weil jeder transparenten Echtzeit-Zugriff auf den aktuellen Stand hat und BIM insofern eine Kommunikationsplattform ist.

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Ausgabe 5/2018 - Ausbildung, Beruf und Karriere

Der Fachkräftemangel steht mittlerweile unangefochten an Platz 1 der Themen, die Unternehmen in Deutschland umtreiben. In der jüngsten Umfrage des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben kürzlich 61% der Teilnehmer an, dass sie in der zunehmend desolaten Personalsituation ihr größtes Geschäftsrisiko sehen. Auch in der Bauindustrie gerät die Nachwuchsgewinnung mehr und mehr zur Herkulesaufgabe....

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