Auf den Karrieretagen des Entrepreneurs Club und der Stiftung Familienunternehmen gibt es für Arbeitgeber und Hochschulabsolventen beste Bedingungen des gegenseitigen Kennenlernens. Impressionen von der 19. Veranstaltung in Ingelfingen.

Neue Familienmitglieder


Dieses Interview wurde im Exkurs 3/2017, 05. September 2017, veröffentlicht

Wir kommen mit dem Taxi vorgefahren, eine freundliche junge Frau weist uns ein. Dutzende, gut gekleidete Mit- und Endzwanziger steigen aus dem eigens eingerichteten Shuttlebus. Die meisten haben sich heute besonders chic angezogen und tragen dunkle Anzüge beziehungsweise Kosüme oder Hosenanzüge. Nur vereinzelt fallen einige wenige auf, die Jeans und Sakko tragen. Die vergangene Nacht haben sie in den diversen Hotels der Region verbracht. An diesem Freitagmorgen Ende Juni steuern sie gezielt auf den Eingang des sogenannten Systemhauses zu, um sich zu akkreditieren: Für den 19. Karrieretag Familienunternehmen, den der Entrepreneurs Club aus München gemeinsam mit der Stiftung Familienunternehmen veranstaltet. Ausrichter ist diesmal Bürkert Fluid Control Systems in Ingelfingen im Hohenlohekreis.

„Willkommen bei uns hinter den sieben Bergen“, geht Heribert Rohrbeck, Geschäftsführer der Bürkert-Gruppe, in seiner Begrüßung selbstironisch auf den Standortnachteil ein. Dem stellt er den familiären Charakter des Unternehmens mit einer „Politik der offenen Türen“ und das gute Arbeitsklima gegenüber. Dass das keine dahingesagten Marketingfloskeln sind, sondern täglich gelebte Firmenphilosophie von Bürkert, wird deutlich, je länger man auf dem Gelände verweilt: Die Garderobe wird von kaufmännischen Auszubildenden bedient. Die technischen Auszubildenden auf dem Weg zur Frühstückspause grüßen freundlich und helfen unaufgeregt weiter, wenn man sich zwischen den einzelnen Gebäudekomplexen des für Erstbesucher riesigen Areals verläuft. Der Küchenlehrling erklärt den hungrigen Gästen in sympathischem Fränkisch, wo es Fingerfood gibt und wie man zum eigens aufgestellten Cateringzelt mit warmen Speisen kommt.

In Ingelfingen, der rund 5500 Einwohner zählenden Stadt des im Hohenlohekreises im fränkisch geprägten Nord-Osten Baden-Württembergs, lernen sich heute die Geschäftsführer und Personalverantwortlichen von 50 Familienunternehmen und rund 650 vorausgewählte Kandidaten kennen. 2700 Bewerbungen gingen beim Entrepreneurs Club ein, der daraus eine Vorauswahl von 650 Kandidaten traf. Mit deren Lebensläufen entstand ein „CV-Book“, das den Unternehmen zur Verfügung gestellt wurde, um sich die jeweils passenden Bewerberinnen und Bewerber für einzelne Gespräche auszusuchen.

 

Nachhaltiges Unternehmertum

Für die Stiftung Familienunternehmen stellte deren Geschäftsführer Stefan Heidbreder die Bedeutung der Personalbeschaffung heraus. Der Kampf um die Toptalente sei zu einer der wichtigsten Aufgaben und zur größten Herausforderung der Familienunternehmen geworden. Die passenden Fach- und Führungskräfte zu finden, sei bereits das „Wachstumshemmnis Nummer eins“. Stefan Klemm, Gründer und Inhaber des Entrepreneurs Clubs aus München, erinnert sich noch gut an den ersten Karrieretag, damals noch Mittelstandstag. 2006 bei der Premiere seien gerade einmal elf Unternehmen und 150 Bewerberinnen und Bewerber zusammengekommen. In den vergangenen Jahren hätten jedoch gerade die Familienunternehmen eine Art Renaissance erfahren, insbesondere innerhalb der sonst oft als oberflächlich und eigennützig gescholtenen Generation Y. Das nachhaltige Unternehmertum, wie es bei den Familienunternehmen par excellence betrieben werde, stoße bei der aktuellen Generation von Hochschulabsolventen und Young Professionals auf Begeisterung. Die hohe Anzahl an Bewerberinnen und Bewerber belege das eindrucksvoll, so Stefan Klemm.
Herausragende Ressourcen

Auffallend viele Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer sowie weitere leitende Mitarbeiter der Familienunternehmen sind eigens für die Veranstaltung in den Hohenlohekreis gekommen. Das unterstreicht die große Bedeutung, die die Unternehmen ihren potenziell neuen Mitarbeitern beimessen. Von Wolff & Müller aus Stuttgart beispielsweise, zum dritten Mal bei einem Karrieretag vertreten, waren der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Albert Dürr und der kaufmännische Geschäftsführer Udo Berner vor Ort. Berner bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Die Mitarbeiter und ihre Zufriedenheit sind eine der herausragenden Ressourcen der Zukunft. Die Unternehmen müssen sehr sorgfältig auswählen, damit sie die richtige Auswahl treffen.“

Am Karrieretag Familienunternehmen kämen „hunderte begeisterte, junge und oftmals hochtalentierte junge Menschen und ausgewählte, familiengeführte und sehr renommierte Traditionsunternehmen zusammen“. Udo Berner war sehr angetan, mit welchem Interesse und  setzten sie und ihre Kolleginnen vielmehr auf sich spontan ergebende Bewerbergespräche direkt am Stand von interessierten Kandidaten.

Neue Dimensionen

Von der Warema Renkhoff SE, Marktführer für technische Sonnenschutzprodukte in Europa, war Christian Endres, Leiter Personalmanagement, gemeinsam mit Ralf Simon, Geschäftsleiter Forschung & Entwicklung, sowie dem für Finanzen zuständigen Geschäftsführer Steffen Konrad nach Ingelfingen gekommen. „Wir sind zum ersten Mal dabei und bewusst hochkarätig, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Unser Ziel ist, den Horizont für die Einstellung neuer Mitarbeiter zu erweitern und eine stärkere Mischung von regionalen und überregionalen Bewerbern herzustellen“, so Christian Endres. Bislang habe sich Warema Renkhoff bei der Suche nach neuem Personal auf die Region Unterfranken konzentriert. Jetzt habe das Unternehmen eine neue Dimension erreicht, in der neue Wege des Recruiting gewählt werden müssten. Am Stand der Rehau AG + Co. war für Außenstehende auf den ersten Blick gar nicht klar, wer in den Bewerbungsgesprächen der Personalverantwortliche und wer der Bewerber ist. Das liegt daran, dass Daniel Lottes, der bei Rehau das HR Marketing verantwortet, selbst erst 32 Jahre alt ist. Gemeinsam mit drei Recruitern und drei Mitarbeitern aus den Fachabteilungen führt er „insgesamt über 100 gute und sehr gute Gespräche“.

Der hohe Aufwand sei gerechtfertigt. Schließlich müsse man als Unternehmen in einer ländlichen Region um den beruflichen Nachwuchs kämpfen. Und dazu sei der Karrieretag Familienunternehmen eine besonders gute Gelegenheit, stellte Daniel Lottes heraus. „Auch wenn wir vor Ort noch keine Entscheidungen getroffen haben, ergab sich in vielen Fällen schon eine starke Tendenz für Folgetermine mit den Fachabteilungen.“ Tim Kniffler ist einer von 650 Bewerbern, die eine Einladung zur Teilnahme am Karrieretag Familienunternehmen erhalten hatten.

Sein Fazit: „Ich habe in Ingelfingen vielleicht meinen neuen Arbeitgeber kennengelernt.“ Der 26-jährige war bestens vorbereitet aus Mülheim an der Ruhr angereist. 15 Gespräche zu führen hatte er sich vorgenommen. Am Ende war es sogar eins mehr. „Dank der guten Vorbereitung und der Vorstellung der Unternehmen in einem Firmen-Buch, war das aber gut zu schaffen“, sagt er selbstsicher. Bei acht potenziell neuen Arbeitgebern hat er sich in der Woche nach dem Karrieretag beworben. Von drei Unternehmen hat er konkrete Jobangebote bekommen und mit einem Vertragsverhandlungen aufgenommen, die beim Redaktionsschluss noch andauerten.

Positiv gestimmt nach Haus

Am späten Nachmittag kehrt langsam wieder Normalität auf dem Gelände ein. Die allermeisten Bewerberinnen und Bewerber dürften positiv gestimmt ihre Heimreise angetreten haben. Für die Beschäftigten von Bürkert beginnt am Montag darauf um 7.00 Uhr die neue Arbeitswoche bei einem der weltweit führenden Hersteller von Mess-, Steuer- und Regelungssystemen für Flüssigkeiten und Gase. Die Produkte kommen in den unterschiedlichsten Branchen und Anwendungen zum Einsatz – von Brauereien und Laboren bis zur Medizin-, Bio- und Raumfahrttechnik. Das Unternehmen verfügt über ein weit gespanntes Vertriebsnetz in 36 Ländern und beschäftigt weltweit über 2500 Beschäftigte. Gut möglich, dass einige der Teilnehmer am 19. Karrieretag Familienunternehmen bald als neue Mitarbeiter von Bürkert dazuzählen.

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