Informatik, Elektronik oder Mechanik? Ramona Adam-Heinrich vereint alle drei Fachgebiete und setzt diese direkt im Anschluss an ihr Masterstudium bei der Liebherr-Werk Telfs GmbH nun in der Praxis ein.

Diese Frau erweckt bei Liebherr Maschinen zum Leben

Steuerungsentwicklerin Ramona Adam-Heinrich


Ramona Adam-Heinrich ist Steuerungsentwicklerin bei der Liebherr-Werk Telfs GmbH. Fotos: Liebherr
Dieser IArtikel wurde im Exkurs 5/2018, 05. November 2018, veröffentlicht.

Informatik, Elektronik oder Mechanik? Ramona Adam-Heinrich vereint alle drei Fachgebiete und setzt diese direkt im Anschluss an ihr Masterstudium bei der Liebherr-Werk Telfs GmbH nun in der Praxis ein.

Die 28-jährige Ramona Adam-Heinrich arbeitet seit 2014 als Software- und Steuerungsentwicklerin bei Liebherr im österreichischen Telfs. Produziert werden dort richtig große Maschinen - Rohrleger, Teleskoplader, Laderaupen und Planierraupen mit einem Einsatzgewicht von mehr als 70 t. Adam-Heinrich nimmt genau diese Maschinen als allererste Person im gesamten Unternehmen in Betrieb und bespielt sie mit der eigens entwickelten Steuerungssoftware.

"Was meinen Job bei Liebherr so einzigartig und faszinierend macht? Das ist eindeutig die ideale Mischung aus den drei Fachgebieten Informatik, Elektrotechnik und Mechanik. Diese drei Gebiete in einem Job zu vereinen ist wirklich was Besonderes, bei Liebherr in Telfs ist das aber mein täglicher Job! Ich muss zuerst die Mechanik und die Elektronik einer Maschine kennen und verstehen, damit ich die Software dafür passgenau entwickeln und anschließend aufspielen kann. Und dann nehme ich die Maschine das erste Mal in Betrieb, erwecke sie sozusagen zum Leben."

Nach ihrem Masterstudium in Mechatronik-Maschinenbau am Innsbrucker Management Center stieg die gebürtige Mittenwalderin 2014 mit einer Festanstellung ins Berufsleben ein. Ihr Einstieg bei der Firmengruppe Liebherr fand bereits ein Jahr zuvor statt. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hatte sie 2013 erstmals die Gelegenheit an der Softwareentwicklung für Planier- und Laderaupen zu arbeiten: "Mit meiner Abschlussarbeit zum Thema elektronisch vorgesteuerte Arbeitsausrüstung an Laderaupen habe ich einen umfassenden Einblick in das Unternehmen erhalten und meine Begeisterung war gleich geweckt! Ich habe die gesamte Entwicklung einer Laderaupe kennengelernt und auch das macht die Arbeit in Telfs so faszinierend für mich: die ganzheitliche Entstehung der Rohrleger, Lade- und Planierraupen an ein und demselben Ort. Bei uns im Werk werden die Maschinen entwickelt, produziert, in Betrieb genommen - von der ersten Stahlplatte bis zur Übergabe an den Kunden begleiten wir das Produkt über alle Entwicklungsschritte hinweg. Das ist schon beeindruckend, wenn man das gesamte Produkt von der ersten Idee bis zur Übergabe miterlebt."

Aktuell arbeitet die 28-Jährige an der Softwareentwicklung der ganz neuen Maschinengeneration von Liebherr. Ihre tägliche Arbeit startet dabei meist mit der klassischen Aufgabe einer Softwareentwicklerin: mit dem Programmieren am PC. Sobald die Entwicklungsarbeit basierend auf verschiedenen Anforderungen und theoretischen technischen Daten abgeschlossen ist, geht es zum Prototypen in die Halle, um das Zusammenspiel der Software mit der Elektronik und Hydraulik auf der Maschine selbst zu prüfen. Mit dem Zünden des Motors erweckt sie die Maschine das erste Mal zum Leben. "Das ist wirklich das faszinierendste an meinem Beruf! Der Moment, in dem ich den Prototypen das erste Mal starte, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend für mich! Ich muss jedes Produkt ganz neu kennenlernen, hier erlebe ich den technischen Fortschritt am stärksten mit. Jeder Prototyp ist einzigartig und damit auch die gesamte Inbetriebnahme der Maschine."

 



Der Moment, in dem ich den Prototypen das erste Mal starte, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend für mich!“


Dass Ramona Adam-Heinrich sich nach wie vor in einer sehr männerdominierten Branche befindet, ist für sie alles andere als ein Hindernis: "In meinem Job fühle ich mich rundum wohl, auch wenn ich eine der wenigen Frauen in diesem Beruf bin. Hin und wieder merkt man allerdings schon, dass man sich, aufgrund leider noch immer vorherrschender Vorurteile, erst einmal behaupten und unter Beweis stellen muss, dass man tatsächlich die technische Expertin ist, bevor man wirklich ernstgenommen und gehört wird. Da gibt es meiner Meinung nach in der gesamten Branche noch Handlungsbedarf, um die Hürden für junge Frauen in technischen Berufen abzubauen und junge Talente für technische Berufe gezielt zu fördern - unabhängig von deren Geschlecht."

Als Ratschlag gibt Ramona Adam-Heinrich allen jungen Frauen, die sich für die Arbeit in der Baubranche interessieren, vor allem Beharrlichkeit mit. "Auch wenn man an der einen oder anderen Stelle vielleicht kämpfen muss, um sich durchzusetzen, lohnt sich die Beharrlichkeit auf jeden Fall! Man muss einfach dranbleiben, denn mit technischer Kompetenz und ein bisschen Einfühlungsvermögen kann man letztlich alle überzeugen."

Der bevorstehende Generationenwechsel spielt für die junge Softwareentwicklerin dabei keine entscheidende Rolle, um veraltete Rollenbilder abzuschaffen. "Ich glaube, allein durch einen Generationswechsel können wir Vorurteile nicht aus der Welt schaffen. Die Baubranche ist sehr traditionell, hat eine lange Vergangenheit, da muss in meinen Augen zuerst einmal Transparenz geschaffen werden. Vielen männlichen Kollegen, Kunden oder Partnern ist nicht bewusst, dass das Verhalten gegenüber Frauen in technischen Berufen immer noch unterschiedlich ist. Erst wenn diese Unterschiede aufgedeckt und erkannt werden, kann hier Abhilfe geschaffen werden. Und dann kann auch die Gesellschaft ihr nötiges tun und bspw. mit unterschiedlichen Veranstaltungen von Vereinen, Hochschulen, Fachverbänden unterstützen."

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Ausgabe 5/2018 - Ausbildung, Beruf und Karriere

Der Fachkräftemangel steht mittlerweile unangefochten an Platz 1 der Themen, die Unternehmen in Deutschland umtreiben. In der jüngsten Umfrage des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben kürzlich 61% der Teilnehmer an, dass sie in der zunehmend desolaten Personalsituation ihr größtes Geschäftsrisiko sehen. Auch in der Bauindustrie gerät die Nachwuchsgewinnung mehr und mehr zur Herkulesaufgabe....

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